4. Advent

4. Advent mit der Familie

Es war noch leicht dämmrig, als Herr Klausmann zum ersten Mal alles vier Kerzen an seinem Adventskranz anzündete. Früher war ihm nicht aufgefallen, dass die Holzdielen der Wohnung über ihm knarrten, wenn man darüber lief. Jetzt hörte er die Schritte, wenn Max und Lotte vor Begeisterung durch seine ehemalige Kanzleiwohnung liefen. Wahrscheinlich würden sie nachher zu ihm herunterkommen, um ihm zu helfen, das Frühstück zu machen.

Es war viel passiert seit dem letzten Wochenende. Alexander und Johanna wohnten jetzt mit den Kindern über ihm. Am Montag kamen die restlichen Möbel aus der Dreizimmerwohnung in Grunern. Es waren nicht viele, denn die Wohnung war schon lange viel zu klein gewesen. Herr Klausmann hatte sie vor vielen Jahren gekauft und später Alexander überschreiben, als der aus Indonesien zurückgekommen war. Dort hatte er seine ersten Erfahrungen als Software Entwickler gemacht, bevor er sich mit einer eigenen Firma im Freiburger Süden gefestigt hatte.

Herr Klausmann nahm einen Schluck Kaffee und sah über seine Zeitung hinweg in das Flackern der Kerzen. Wie schnell man sich gewöhnt an die neuen Räumlichkeiten und alle noch ungewohnten Geräusche im Haus, dachte er. Es sah auf das Bild mit Marie, aus dem letzten gemeinsamen Urlaub an der holländischen Küste, und bemerkte, dass er hier, in der neuen Küche, keine Selbstgespräche mehr führte. Zufrieden kam ein Lächeln über seine Lippen.

Am Freitag hatte er dann endlich den langersehnten Anruf erhalten von Fred von Lammenstein. Dieser war zurück aus New York und gerade dabei seine Wohnung in Amsterdam aufzulösen. Seinen Job bei der Deutschen Bank hatte er zum Jahresende gekündigt. Es war ein eigenartiges Gespräch gewesen. Freds Eltern waren schon vor einigen Jahren gestorben. Da er selbst auf das Schloss keinen Wert legte, ging das gesamte Vermögen an einen entfernten Verwandten. Ihm, als einzigen Sohn, war eine beträchtliche Geldsumme überwiesen worden, die er mit Hilfe seiner Kollegen, gut angelegt hatte. Von einer Tante namens Barbara wusste er nichts. Die Namen, die sie erwähnt hatte, Andreas und Gudrun, hatte er ebenfalls noch nie gehört. Sein Vater hieß Julius und seine Mutter Sofia.

Es war alles ziemlich merkwürdig. Herr Klausmann zweifelte an seinem eigenen Verstand. Hatte er das alles nur geträumt? Er ging in sein Arbeitszimmer, um sich die Notizen anzusehen, die er, während des Gesprächs mit der vermeintlichen Gräfin, gemacht hatte. Der letzte Eintrag war von Anfang November, als ein Freund aus der Rechtanwaltskammer ihn angerufen hatte, um ihn zur jährlichen Nikolausfeier einzuladen. Darunter stand in seinem Notizbuch lediglich das Datum des 25. Novembers. Das war der Tag, an dem er den Anruf der verwirrten Dame erhalten hatte. Er erinnerte sich genau, er hatte keine weiteren Eintragungen gemacht.

Fred von Lammenstein hatte ihm erzählt, dass er sich vorgenommen habe, ein Sabbatjahr zu nehmen. Danach wollte er sich im Schwarzwald, auf jeden Fall aber wieder in Deutschland festigen.

Er versprach Herrn Klausmann noch, im Laufe der nächsten Woche in der Kirchstraße vorbei zu schauen. Dann wäre er wieder in der Gegend. Natürlich freute er sich auch auf das Wiedersehen mit seiner ehemaligen Kollegin, Johanna und ihrem Mann, Alexander.

Herr Klausmann legte sein Notizbuch wieder zurück auf den Sekretär. Sein Blick fiel auf Lottes Fundsachen. Es wunderte ihn, dass er die Sachen nicht schon lange weggeschmissen hatte.

Oben wurden die Schritte auf einmal immer lauter. Aha, da kamen Max und Lotte. Sie wussten, dass seine Wohnung immer offenstand.

„Opi, machen wir wieder Frühstück?“

„Ich habe fest mit euch gerechnet. Denn ohne eure Hilfe geht es gar nicht.“

Herr Klausmann liebte Traditionen. Abgesehen davon war es ihm ein Vergnügen mit seinen Kindern und Enkeln zu frühstücken. Ansonsten ging in der Kirchstraße 2 jeder seinen Weg. Nur wenn Alexander abends von der Arbeit nach Hause kam, schaute er kurz bei seinem Vater vorbei. Johanna hatte ihn allerdings auch schon zweimal zum Abendessen eingeladen. Donnerstags backte Herr Klausmann natürlich wie immer die heiß geliebten Pfannkuchen.

„Komm‘, Lotte. Ich zeige dir, wie man Bohnenkaffee macht. So hat Omi das sonntags immer getan.“ Er holte die alte Kaffeemühle aus dem Schrank, gab Lotte den Kaffee und erklärte ihr genau, wie viele Kaffeebohnen sie in die Mühle machen musste. Dann wurden die Bohnen gemahlen.

„Das ist aber ganz schön schwer,“ sagte Lotte.

„Aber sehr fein!“ Herr Klausmann stellte alles auf die Anrichte und Max und Lotte trugen Teller und Tassen, Besteck, Brot und Marmelade, Honig und Käse auf den Esstisch.

Lotte rannte zur Tür. „Mama, Papa, Frühstück ist fertig!!!“

„Lotte, mach mal leise.“ Max ärgerte es, wenn Lotte so durchs Haus schrie.

Frühstück zu fünft

„Das riecht köstlich, Karl. Wir konnten oben riechen, dass hier Kaffee gekocht wird.“

Sie setzten sich zu Lotte an den runden Tisch. Die hatte schon angefangen sich ein Brot zu schmieren.

„Wollen wir nicht erst noch was singen, Kinder?“

„Nö, ich hab‘ Hunger,“ meinte Lotte.

„Lasst es euch schmecken, heute, an diesem 4. Advent,“ sagte Herr Klausmann in die Runde.

„Sag mal, Karl. Wie war denn dein Gespräch mit Frederik? Ihr hattet telefoniert.“

„Ja, das war nicht sehr aufschlussreich. Er kennt gar keine Gräfin. Das Schloss ist nicht mehr im Besitz der Familie. Da wohnt jetzt ein entfernter Verwandte. Also, es ist schon sehr komisch. Manchmal glaub ich, ich habe mir die Geschichte nur ausgedacht. Die Dame sagte, sie hieß Barbara und wäre seine Tante. Ist ihm völlig unbekannt. Könnt ihr das glauben?

Die Namen der Eltern, Andreas und Gudrun, die sagten ihm auch nichts. Sein Vater hieß Julius und seine Mutter Sofie. Also, ich versteh‘ das nicht. Wo ist denn hier der Haken?

Da gibt jemand eine Vermisstenmeldung auf. Den Vermissten haben wir gefunden, aber wer ist jetzt die unbekannte Anruferin? Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Aber Frederik wird diese Woche in den Schwarzwald kommen. Er meldet sich bei mir.“

„Oh, Karl. Das ist ja fantastisch. Dann wird sich das bestimmt klären. Wann wollte er denn kommen?“

„Genau wusste er das auch nicht. Er hat gekündigt in Amsterdam und will wieder nach Deutschland zurück?“

„Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber auch, dass irgendwelche Frauen hinter ihm her sind. Er bekam immer jede Menge Anfragen von älteren Damen, die ihm wegen seines Adelstitels heiraten wollten.“

„Ja, das glaube ich jetzt eher nicht. Aber wissen tut man’s ja nie. Was meinst du, Alexander?“

„Das wir sich bestimmt klären, wenn er erst mal hier ist. Unterhaltet euch, vielleicht fällt ihm dann ja ein, wer Barbara von Lammenstein ist.“

„Karl, sag ihm auch, dass er zum Essen bleiben muss. Wir arbeiten noch 2 Tage, dann haben wir Ferien!“

„Genau, Weihnachtsferien,“ meinte Lotte.

„Endlich Ferien!“ pflichtete Max ihr bei.

4. Advent abends

Aus den Lautsprechern klang ganz leise Weihnachtsmusik. Die Weihnachtsplätzchen, die Johanna zu Ferienbeginn mit den Kindern gebacken hatte, dufteten. Herr Klausmann hatte schon drei oder vier davon gegessen. Er konnte sich nicht mehr genau erinnern, wie viele es waren. Wahrscheinlich würde der Teller noch vor dem Abendbrot leer sein. Der Wein passte wunderbar zu den Vanillekipferln. Auch die Lebkuchen mit Schokolade schmeckten vorzüglich.

Draußen war es, bis auf die Weihnachtsbeleuchtung in der Straße, dunkel. Der kürzeste Tag des Jahres nahm sein Ende. Er liebte diesen Tag, den er gerne ausgiebig feierte. Wo andere in der dunklen Jahreszeit leichte Depressionen bekamen, blühte Herr Klausmann richtig auf. Mit einem Gläschen Wein, einem ordentlichen Krimi konnte ein langer Winterabend nicht gemütlicher werden.

„Noch dreimal schlafen, dann ist Heilig Abend,“ hatte Lotte freudestrahlend verkündigt, als sie die Plätzchen runterbrachte.

Er nahm sich für die letzten Kapitel seinen Freiburger Krimis zur Hand. Der zweite Fall von Kommissar Bussard wartetee schon auf seinem Nachttisch im Schlafzimmer auf ihn.

Vertieft in seine Lektüre und mit dem Geschmack eines Vanillekipferls bemerkte er gar nicht, dass sein Telefon im Arbeitszimmer klingelte. Etwas irritiert sah er auf.

„Kanzlei Klausmann und Söhne, was kann ich für Sie tun?“

„Guten Abend, Herr Klausmann. Fred Lammenstein am Apparat. Ich hoffe, ich störe sie nicht. Es ist schon spät.“

„Nein, kein Problem. Guten Abend. Ich freue mich über Ihren Anruf.“ Der erste Teil war gelogen. Der letzte Satz jedoch stimmte. Er setzte sich an seinen Sekretär, um seine Aufmerksam ganz und gar dem Anrufer zu widmen.

„Wunderbar. Ich habe soeben eingecheckt im Schwarzwälder Hof in Freiburg. Ich würde mir gerne ein Auto mieten und bei Ihnen vorbeischauen, wenn Ihnen das um diese Zeit noch recht ist.“

„Ja, sicher. Johanna und Alexander würden sich sogar freuen, wenn Sie zum Essen bleiben. Ich werde Sie oben anmelden.“

Weihnachtsplätzchen durfte er jetzt keine mehr essen. Aber ein Essen bei Alexander war auch immer ein Vergnügen.

„Das freut mich ungemein. Ich habe die beiden schon lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war, als ich mit den Kollegen zur Geburt von Max zu Besuch war. Sicherlich vor mehr als 10 Jahren.“

„Das kommt hin. Max wurde im Sommer 12 Jahre alt. Und Lotte ist fast 9 Jahre. Sie können hier vor der Tür parken. Kirchstraße 2. Sie kennen Staufen doch, oder?“

„Aber sicher. Direkt am Markt. Ich könnte so in einer Stunde bei Ihnen sein.“

„Wunderbar. Ich erwarte Sie.“

Herr Klausmann musste zugeben, dass er sich doch freute über den Besuch des Grafen. Es war ihm direkt aufgefallen, dass er das ‚von‘ in seinem Namen weggelassen hatte. Sein Ton war überaus freundlich. Fred hatte eine sanfte Stimme. Er freute sich und hoffte, dass er ihm ein Gläschen Wein anbieten durfte und ein paar Weihnachtsplätzchen.

Erst aber wollte er einen Anruf nach oben wagen.

„Vati, was gibt’s?

„Alexander, kurze Frage: Fred von Lammenstein kommt in ungefähr einer Stunde zu mir. Johanna meinte, sie würde uns dann gerne zum Essen einladen. Können wir so gegen halb 7 zu euch hochkommen?“

„Das passt. Wir freuen uns.“

Fantastisch. Alles war immer so unkompliziert mit Alexander und Johanna. Seinen Krimi hatte Herr Klausmann schon wieder vergessen. Erst wollte er seine Gedanken sammeln und sich ein paar Fragen notieren. Was wusste er von er Dame? Sie nannte sich Barbara von Lammenstein zu Schwarzfeld. Sie sprach von ihrer Schwägerin und ihrem Bruder. Das waren jedoch nicht die Eltern von Fred. Okay. Was wusste er denn noch? Die Schwägerin hatte bald Geburtstag. 95 Jahre, hatte sie gesagt.

Er schreib sich alles untereinander in sein Notizbuch. Als letztes notierte er noch die Namen, die sei erwähnt hatte: ‚Gudrun und Andreas‘.

Nachdenklich legte er den Füller zur Seite und klappte sein Notizbuch zu. Wie er es gewohnt war, legte er beides nebeneinander auf den Sekretär. Er hatte noch etwas Zeit. Gerade als er das Licht ausknipsen wollte, bemerkte er Lottes Fundsachen. Mit dem Geldbeutel in seiner Hand, lief er zu seinem Gläschen Wein und vor allem den Weihnachtsplätzchen zurück im Wohnzimmer. Mit vollem Mund setzte er sich neben den Christbaum. In seinen Fingern befühlte er das 5-Pfenningstück in dem alten Geldbeutel. Neugierig wollte er sich die Münze aus vergangenen Zeiten noch einmal anschauen.

Als er den Magnetklips öffnete, rollte das 5-Pfennigstück über den Boden. Er musste lachen, denn so war es ihm früher auch immer gegangen. Aus seinem Stuhl heraus bückte er sich, hob die Münze auf. 5 Pfennige war genau der Betrag, den er einmal pro Woche von seinem Vater als Taschengeld bekam. Ab seinem 12. Lebensjahr. Lotte und Max hatten beide schon ein eigenes Girokonto. Wie die Zeiten sich ändern.

Er steckte die Münze zurück in den Geldbeutel. Ein ähnliches Exemplar hatte er damals auch. Dieser war blau und von innen weiß. Seiner vor vielen Jahren war dunkelbraun gewesen. Sowohl außen als auch innen. Herr Klausmann knipste sich die Stehlampe an neben seinem Sessel. Mit Zeigefinger und Daumen griff er ins Innere des Geldbeutels. Zu seinem Erstaunen zog einen alten, vierfach gefalteten Zettel heraus. Es erkannte direkt das Karopapier aus der Schule. Es hatte diesen flauschigen Rand, der darauf hinwies, dass es einige Male gefaltet worden war, bevor das Stück aus dem Schulheft ausgerissen wurde. Sorgsam, ohne es in weitere Stücke reißen zu wollen, entfaltete er den Zettel. Den in altdeutscher Schreibschrift verfassten Text, las er sich, nahezu lautlos, vor:

Er würde morgen anrufen und der Besitzerin den Geldbeutel zurückbringen. Es war fraglich, ob sie den Geldbeutel bereits vermisste. Es war kein enormes Vermögen, was sich darin verbarg. Lotte hatte auch nicht gesagt, ob sie die 5 Pfennige im Geldbeutel entdeckt oder anderweitig gefunden hatte. Das könnte gut möglich sein.

Warten, bis Morgen? Nein, das kam nicht in Frage. Er lief zurück in sein Arbeitszimmer, nahm sein Telefon und tippte: 0 7 6 3 3 9 0 6 2 6 4.

Es klingelte zweimal, ein Knacksen in der Leitung kündigte einen Anschluss an: „Altenpflegeheim Sankt Margareten. Trudl Neumann. Guten Abend.“

„Guten Abend. Klausmann am Apparat. Frau Neumann, vielleicht können Sie mir helfen. Ich bin auf der Suche nach Barbara Schäfer. Finde ich die unter dieser Nummer?“

„Barbara Schäfer? Aber sicher. Sie wohnt schon seit vielen Jahren bei uns auf der Pflege. Im Augenblick ist sie allerdings nicht im Haus. Ich werde es ihr ausrichten und dann rufen wir nachher zurück.“

„Das wäre sehr nett. Meine Enkelin hat einen Geldbeutel gefunden, in dem ihr Name und diese Nummer steht.“

„Ach, das ist aber freundlich. Das kann ihr tatsächlich mal passieren. Da wird sie sich bestimmt freuen. Wir rufen gerne wieder an. Etwa in einer Stunde. Zum Abendbrot wird sie wieder auf der Station sein.“

Des Rätsels Lösung

Herr Klausmann legte sein Handy wieder zurück auf den Sekretär. Barbara Schäfer war also wohnhaft im Altenpflegeheim in Staufen. Gegenüber – am Amtsgericht – ging er lange Zeit ein und aus. Er überlegte sich, den Geldbeutel noch heute Abend zurückzubringen. Innerhalb von zehn Minuten, spätestens in einer viertel Stunde könnte er wieder zu Hause sein, um danach Fred von Lammenstein zu empfangen. Er besann sich kurz und entschied sich nach einiger Überlegungen, auf seinen Besucher zu warten. Schnell räumte er noch das leere Weinglas in die Spülmaschine und wischte den Wohnzimmertisch ab. Die Weihnachtsplätzchen hatten darauf ihre Spuren hinterlassen.

Auf dem Weg zur Küche hörte er Schritte vor dem Haus, die vor seiner Tür verstummten. An einige neue Geräusche in der Einliegerwohnung musste er sich noch gewöhnen. Das könnte Fred von Lammenstein sein, dachte er, als es klingelte.

Er ging hinaus auf den Flur, an den Kinderfahrrädern vorbei zur Haustür und öffnete.

Fred trat mit einem fast Din A3 großen, in Weihnachtspapier verpacktem Geschenk ins Haus.

„Guten Abend, Herr Klausmann. Schön, dass Sie noch Zeit für mich haben. Schauen Sie, ich habe Ihnen oder den Enkeln etwas mitgebracht aus Holland. Es ist ein riesengroßes Spekulatiusplätzchen.“

„Kommen Sie erstmal hinein in meine gute Stube. Ich wohne hier erst seit ein paar Tagen. Riecht alles noch wie neu. Möchten Sie etwas trinken?“

„Komm, setzen wir uns ins Wohnzimmer,“ sagte Herr Klausmann mit einer Flasche Mineralwasser und zwei Gläsern in der Hand.

Er wollte schnell zur Sache kommen, um endlich zu klären, wer die Vermisstenanzeige aufgegeben hatte und letztendlich auf der Suche war nach Fred von Lammenstein, als er unterbrochen wurde durch den Klingelton seines Telefons.

„Entschuldigen Sie bitte. Kann nicht lange dauern.“

Wie er vermutet hatte, es war Trudl Neumann aus dem Altenpflegeheim. Das passte ihm jetzt gar nicht. Er wollte sich seinem Besucher widmen. Mit dem Telefon am Ohr kam er ins Wohnzimmer.

„Das ist ja schön, Frau Neumann, dass sie mich gleich anrufen. … Ja, kann es denn sein, dass der Geldbeutel dieser Barbara Schäfer gehört?… Ach so, sie hat übermorgen Geburtstag?“ Es dauerte ihm alles viel zu lange. Er begriff nicht, warum Trudl Neumann nicht direkt bestätigen konnte, dass der Geldbeutel der alten Dame gehörte und schaute entschuldigend hinüber zu seinem Besucher. Das konnte doch jetzt nicht so schwierig sein.

Fred von Lammenstein, der sich gerade auf die Couch gesetzt hatte, sprang auf: „Barbara Schäfer??? Das war mein Kindermädchen!!!“

Herr Klausmann sortierte seine Gedanken und hatte nur noch eine Frage auf dem Herzen.

„Frau Neumann, wie alt wird die Dame, sagten Sie? … 95 Jahre!?! … Tatsächlich! … Wie kommen nachher noch vorbei.“

Mit großen Augen schauten Herr Klausmann und Fred von Lammenstein sich an. Die vermeintliche Gräfin war keine Gräfin, sondern das Kindermädchen der Grafenfamilie. Es war auch nicht der Geburtstag der Schwägerin sondern ihr eigener.

„Mein Kindermädchen! Ich wusste gar nicht, dass sie noch lebt. Glauben Sie, dass wir noch bei ihr vorbeischauen können?“

„Aber klar. Sankt Margareten liegt hier ums Eck. Machen wir uns auf den Weg.“

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