Tarzan, Gerlach und Hugenholtz

Woher haben die Kurven in Zandvoort ihre Namen?

In Holland herrscht das Formel 1-Fieber. Das ist nach dem Weltmeister-Titel von Max Verstappen natürlich klar. Aber wer weiß schon, wer Tarzan, Gerlach und Hugenholtz sind? Die Rennstrecke in Zandvoort ist 4,3 Kilometer lang. Sie hat 14 Kurven. Keine andere Rennstrecke hat prozentual so viele Kurven wie Zandvoort. Dadurch ist die Rennstrecke bei Motorsportlern sehr beliebt. Einige dieser Kurven haben besondere Namen, unter anderem Tarzan, Gerlach und Hugenholtz.

Tarzan-Kurve

Eine der bekanntesten Kurven ist die Tarzan-Kurve. Die Fahrer kommen hier mit Höchstgeschwindigkeit an und müssen davor voll bremsen, um heil durch die Kurve zu kommen. Folglich gab es in der Vergangenheit schon spektakuläre Überholmanöver und schwere Stürze.

 

 

Der Franzose René Arnoux stürzte 1982 in der Tarzan-Kurve schwer. (Foto: NOS)
 

Der Name dieser Kurve ist fraglich. Über die exakte Herkunft gibt es keine genaue Klarheit. Die bekannteste Geschichte besagt, dass zum Bau der Rennstrecke Kleingärten entfernt werden mussten. Allerdings war ein besessener Gartenbesitzer, den man im Ort „Tarzan“ nannte, damit nicht einverstanden. Er weigerte sich, seinen Gemüsegarten aufzugeben. Erst als der Bürgermeister von Zandvoort versprach, eine Kurve nach ihm zu nennen, hätte er zugestimmt.

Die Kurven der Rennstrecke in Zandvoort (Foto: NOS)

Eine weitere Erklärung ist möglicherweise de Name der Asphaltwalze, die beim Bau der Strecke verwendet wird. Diese große Maschine hätte den Spitznamen „Tarzan“ bekommen.

Andere Leute glauben, dass die Kurve nach dem bekannten Film „Tarzan der Affen“ benannt ist.

Laut Jan Lammers, der als Rennfahrer aufgewachsen ist, ist die Geschichte der Schrebergärten am plausibelsten. „Es ist die schönste Geschichte. Aber es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob sie stimmt.“

Gerlach-Kurve

Die zweite Kurve der Rennstrecke ist nach dem Rennfahrer Wim Gerlach benannt. Am Pfingstmontag 1957 starb er nach einem Unfall mit seinem Porsche Carrera Speedster. Er war das erste Todesopfer auf Zandvoort.

Hugenholtz-Kurve

Hans Hugenholtz hat die Strecke in Zandvoort entworfen. Zudem war er zwischen 1949 und 1974 Leiter der Rennstrecke. Hugenholtz, der noch andere Rennstrecken konstruierte, bekam diese Kurve zu seinem Abschied geschenkt. Weil nur wenig Geld zur Verfügung stand, beschloss die Geschäftsführung, die Kurve nach dem scheidenden Direktor zu benennen.

Hugenholtz war neben dem Rennsport auch im Wein- Import tätig. Regelmäßig schickte er seinen Freunden Weine, auf die er ein Etikett mit dem Namen „Hugenholtzkurve“ klebte. Dabei muss man erklären, dass der niederländische Begriff für ‚Kurve‘ bocht ist. Genau diesen Begriff benutzt man scherzhaft für Getränke, die alles andere als schmecken. Viele Leute dachten, dass die Trauben in der Ecke der Rennstrecke angebaut würden, aber das stimmte nicht.

Hugenholtz senior starb 1995 nach einem Autounfall mit seiner Frau.

21. Juli 1965: Direktor Hans Hugenholtz gibt auf der Rennstrecke von Zandvoort grünes Licht für eine ANP-Rallye. (Foto: NOS)
Etikett des Weines (Foto: NOS)

Auf die Hugenholtz-Kurve freuen sich übrigens viele Motorsportler. Dieser Teil der Strecke ist eine spektakuläre Schrägkurve. Die Hugenholtz-Kurve hat eine maximale Schräglage von 18 Grad. Die Fahrer müssen in dieser Linkskurve ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen.

Slotemaker-Kurve

Die fünfte Kurve des Rundkurses trägt den Namen „Slotemaker-Kurve“. Rob Slotemaker verunglückte 1979 mit einem Chevrolet Camaro auf der Rennstrecke. Er war in Zandvoort und unter Motorsport-Fans sehr beliebt.

 

11. Juni 1973: Der Nachwuchsfahrer Jan Lammers mit seinem Mentor Rob Slotemaker (Foto: ANP)
 

Slotemaker war nicht nur Rennfahrer, sondern auch Gründer einer berühmten Fahrschule für Fahrsicherheitstraining und entdeckte Jan Lammers und seine Fähigkeiten als Rennfahrer. Lammers ist mittlerweile sportlicher Leiter des Grand Prix.

Scheivlak-Kurve

Nach der Slotemaker-Kurve erreichen die Fahrer das Scheivlak. Der Name dieses Streckenabschnitts hat historische Bedeutung. Hier lag früher die Grenze zwischen den Dünen von Zandvoort und dem Land des Adeligen Quarles van Ufford. Scheivlak bedeutet buchstäblich ‚Grenzfläche‘.

Hans Ernst-Kurve

Diese Kurve ist nach dem ehemaligen Zandvoort-Direktor Hans Ernst benannt, der die Strecke zwischen 1988 und 2013 leitete. Nach finanziell schwierigen Zeiten brachte er die Rennstrecke wieder zurück in die Erinnerung des internationalen Motorsports. Er war einer der Gründer der „Masters of Formula 3“. Dies entwickelte sich zum führenden Formel-3-Event in Europa mit insgesamt 25 Veranstaltungen.

Hans Ernst baute 1999 die Rennstrecke in Zandvoort auf die aktuelle Situation mit einer Länge von 4,3 Kilometern um. Damit konnten auch größere internationale Veranstaltungen wie die deutsche Tourenwagenserie DTM und die Formelautoserie A1GP nach Zandvoort geholt werden.

Hans Ernst starb im Juni 2019.

Arie Luyendijk-Kurve

Die vierzehnte und letzte Kurve vor dem Finish ist die Arie Luyendijk-Kurve. Diese ist nach dem zweifachen Gewinner des Indianapolis 500, einem der drei denkwürdigsten Rennen der Welt, benannt.

17. Februar 1994: Arie Luyendijk mit G-Force Indycar auf der Rennstrecke von Zandvoort (Foto: ANP)

Genau wie die Hugenholtz-Kurve ist auch diese Kurve eine Schrägkurve. Die niederländische Rennlegende fühlt sich noch immer geehrt, dass die Kurve seinen Namen trägt. „Ich hatte erwartet, dass mein Name irgendwann verschwinden würde,“ sagte er einst.

Kurzum, am 4. September 2022 könnt ihr euch wieder ein neues Formel 1-Rennen auf den Kurven von Tarzan, Gerlach und Hugenholtz anschauen. Übrigens, es ist von Noordwijk aan Zee fußläufig über den Strand keine 15 km.

Abschließend danken wir unserem nationalen Nachrichtensender NOS für die Inspiration zu diesem Artikel.

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